Kaufberatung Mercedes S-Klasse W220 – S350, S430, S500 – UTBOERG TV
UTBOERG TV · 2. November 2019
Unsere Kaufberatung für die Mercedes S-Klasse – Baureihe W220 – soll Käufer eines S350, S430 oder S500 sensibilisieren, was man beim Kauf eines V6 oder V8 beachten sollte.
Der W220 war der Nachfolger der Baureihe W140. Das Design fiel für die Mercedes S-Klasse mit dem W220 beinahe schon zierlich aus – tatsächlich ist der Wagen auch kürzer, obgleich der Platz im Innenraum zugenommen hat.
Neue Technik
Erstmals in der S-Klasse wird der automatische Abstandsregeltempomat DISTRONIC, Keyless-Go und das Navigationssystem Comand mit integriertem Stauwarner angeboten. Beim S500 und S600 kann man optional die Zylinderabschaltung bestellen. In 2002 wird das Sicherheitssystem PRE-SAFE, Kopfairbags und Bi-Xenon Scheinwerfer eingeführt.
Mit Einführung der Baureihe W220 gibt es auch keine Stahlfederung mehr, sondern es wurde die Luftfederung Airmatic eingeführt. Optional für einige Modelle verfügbar: die aktive Fahrwerksregelung ABC (Active Body Control).
Historie
Nach der Vorstellung auf dem Genfer Autosalon im Jahre 1998 wurde die S-Klasse im Zeitraum von Oktober 1998 bis August 2005 produziert. In diesem Zeitraum sollen rund 485.000 Fahrzeuge produziert worden sein. Besonders erfolgreich war dabei der S320 CDI, sprich der Dieselmotor mit 6 Zylinder.
Modellpflege 2002
Ab Oktober 2002 wurde die Modellpflege (kurz Mopf) ausgeliefert. Die neuen Fahrzeuge sind an folgenden Merkmalen zu erkennen:
- Geänderte Frontschürze mit Klarglasscheinwerfern und größerem Kühlergrill
- Blinker mit Klarglas in den Außenspiegeln
- Heckleuchten im neuen Design (vier weiße Streifen)
- Neuer Comand Bildschirm (eine Einheit, größerer Bildschirm)
- Einführung von Notbremsassistent, Kopfairbags und Pre-Safe
Mit dem Modelljahr 2003 wurden beim S430 und S500 (nicht bei den 4-Matic-Versionen!) Sieben- anstatt Fünfgangautomatik-Getriebe verbaut.
Im Zuge der Modellpflege gab es auch Veränderungen bei den Motoren:
- Der S320 (165 kW / 224 PS) wird zum S350 (180 kW / 245 PS), jetzt optional mit 4-matic und ABC. Motortyp M 112.
- Der S55 AMG (265 kW / 360 PS) jetzt mit 368 kW / 500 PS, serienmäßig mit ABC. Motortyp M 113.
- Der S600 (270 kW / 367 PS) jetzt mit 368 kW / 500 PS, immer serienmäßig mit ABC. Motortyp M 137 → M 275.
- Der S320 CDI (145 kW / 197 PS) jetzt mit 150 kW / 204 PS, nur mit Airmatic. Motortyp OM 613 → OM 648.
- Der S400 CDI (184 kW / 250 PS) jetzt mit 191 kW / 260 PS, optional mit ABC. Motortyp OM 628.
Wertsteigerung Mercedes S-Klasse
Die massiven Rostprobleme der Modelle bis 2002 haben dafür gesorgt, dass sich die Anzahl der Fahrzeuge deutlich reduziert hat. Folgende Faktoren könnten eine Wertentwicklung positiv beeinflussen:
- AMG Modelle – insbesondere der S65 AMG oder S63 AMG sind beim W220 recht selten
- Ein prominenter Vorbesitz
- Unfallfrei
- Nachvollziehbares und durchgehend geführtes Scheckheft möglichst bei Mercedes
- Deutsches Fahrzeug, kein Re-Import aus den USA oder Japan
- Originalzustand
- I. Hand
Schwachstellen W220
Rost
Ob es nun an der Lackierung, am verwendeten Stahl oder an beidem lag – viele Fahrzeuge vor der Modellpflege haben meist massive Rostprobleme. In diversen Autoforen findet man die Empfehlung auf ein Modell nach der Modellpflege zu wechseln.
Airmatic
Die Luftfederung Airmatic liefert einen exzellenten Federungskomfort, kann aber teils auch nicht ganz unproblematisch sein. Die Reparaturkosten liegen bei ca. 1.000,- EUR je Federbein. Die meisten Problemschilderungen beziehen sich auf Fahrzeuge mit weit über 100.000 KM. Es gibt aber auch Ausnahmen.
Nicht jedes Problem erfordert einen Austausch eines Airmatic-Dämpfers. Manchmal ist es auch nur der Kompressor, ein Ventil oder ein feucht gewordener Stecker. Für das Relais des Airmatic-Kompressors gibt es die Empfehlung, dieses alle 50.000 KM rein vorsorglich zu tauschen.
ABC Fahrwerk
Die Reparaturkosten für das ABC-Fahrwerk liegen noch deutlich über denen des Airmatic-Fahrwerks. Wer auf einen sehr günstigen W220 stößt, der mit einem ABC-Fahrwerk ausgestattet ist, sollte ausreichend Kapital in der Hinterhand haben.
Motoren
Bei dem V6 Benziner (S320, S350) handelt es sich um den M112. Ähnlich konstruiert ist der M113, der als V8 im S430, S500 und S55 AMG verbaut ist. Der M112 ist beim Thema Verkokung in Verruf gekommen. Viele Besitzer haben deshalb auf das Motorenöl 0W-40 (Benziner) umgestellt, welches für einen höheren Reinigungseffekt bekannt ist.
Der M113 hat übrigens wie der M112 eine Doppelzündung. Das bedeutet beim Zündkerzenwechsel beim V8 (S430, S500) sind 16 Zündkerzen zu wechseln. Dafür haben die Zündkerzen auch ein deutlich längeres Wechselintervall von bis zu 100.000 KM oder 4 Jahren.
Batterie leer, Kofferraum öffnen
Die Batterie befindet sich im Kofferraum und dieser lässt sich nur elektronisch öffnen. Ohne Strom ist also kein Zugang zur Batterie möglich. Im Fußraum auf der Beifahrerseite befindet sich hinter der Fußmatte ein Überbrückungsanschluss (Plusanschluss). Der W220 hat zwei Sicherungskästen – der zweite befindet sich im Fond auf der rechten Seite unterhalb der Rückbank.
Batteriespannung auslesen
Die Batteriespannung kann man über die Klimaeinheit in der Mittelkonsole kontrollieren:
- Schlüssel auf Stufe 2 drehen / Zündung einschalten.
- In der Klimaeinheit die Taste REST für rund 5 Sekunden gedrückt halten, bis sich das Display verändert.
- Mit dem linken Temperaturregler durch das Menü klicken.
- Unter Punkt 24 wird die Batteriespannung angezeigt.
- Über die REST-Taste das Menü verlassen.
Fehlersuche / Diagnose
Fehlerspeicher über Klimaeinheit auslesen
- Schlüssel auf Stufe 2 drehen / Zündung einschalten.
- In der Klimaeinheit die Tasten REST und Aktivkohlefilter ZUSAMMEN für rund 5 Sekunden gedrückt halten. Im Display erscheint: Diagn. FEHLER
- Liegt kein Fehler vor, steht dort „----". Bei Fehlern erscheint eine Zahl.
- Mit dem rechten Temperaturregler können weitere Fehlercodes nacheinander aufgerufen werden.
- Zum Löschen eines Fehlers: den runden Schalter AUTO auf der linken Seite einmal rein und wieder raus drücken.
- Über die REST-Taste das Menü verlassen.
Diagnose über Comand
- Schlüssel auf Stufe 2 drehen / Zündung einschalten. Comand auf Audio stellen.
- Die Tasten MUTE und 1 und 3 ZUSAMMEN für ca. 5 Sekunden gedrückt halten. Das Comand Servicemenü erscheint.
- Mit MUTE und 1 und 4 kann man zwischen den Fehlern wechseln.
- Zum Löschen eines Fehlers: MUTE und 0 zusammen drücken.
Geheimmenü Kombiinstrument
- Schlüssel auf Stufe 1 drehen (nicht Zündung).
- Über die Lenkradtasten in das Grundmenü gehen (Tages- und Gesamtkilometer).
- 3 x schnell hintereinander die R-Taste (Rückstelltaste) drücken. Das Geheimmenü wird angezeigt.
- Hier können alle Informationen (Batteriespannung, Motortyp, Fahrgestellnummer, Baujahr, Ölstand usw.) aufgerufen werden.
- VORSICHT: Den „Prüfstandmodus" nicht nutzen – mit diesem werden ESP, BAS und ABS komplett abgeschaltet!
Klimaklappen und Stellmotoren prüfen – Klappeneichung
- Schlüssel auf Stufe 2 drehen / Zündung einschalten.
- In der Klimaeinheit die Tasten REST und Umluft ZUSAMMEN für rund 7–10 Sekunden gedrückt halten. Im Display erscheint: Alle Klappen 00: ZU
- Mit dem linken Temperaturregler zu Menüpunkt „11: Klappeneichung" wechseln.
- Mit dem rechten Temperaturregler die Klappeneichung starten.
- Der Eichlauf sollte nach rund einer Minute abgeschlossen sein.
Sollte der Vorgang nicht in einer Minute beendet sein oder ein anderes Ergebnis zeigen, liegt vermutlich ein Defekt vor. Ist in diesem Bereich ein Stellhebel oder Stellmotor defekt, muss das Armaturenbrett ausgebaut werden.
Kaufempfehlung Fazit
Grundsätzlich empfiehlt sich der Kauf eines W220 mit Modellpflege, ab Oktober 2002. Hier soll es besseren Rostschutz und eine gesteigerte Verarbeitungsqualität geben. Selbst garagengepflegte Fahrzeuge mit rund 50.000 KM sind vom Rost betroffen, außer vielleicht wenn Sie aus südlichen Ländern kommen.