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Auto

Wissen: Vom Basisfahrzeug zum Expeditionsmobil – UTBOERG TV

UTBOERG TV · 4. September 2020

Wer ein Basisfahrzeug zum Expeditionsmobil umbauen will, stößt schnell auf eine Reihe rechtlicher und technischer Fragen: Ablastung, Zulassung, Führerschein, Tankvolumen. Dieser Ratgeber gibt einen Überblick.

LKW über 7,5 Tonnen ablasten

Wer einen LKW über 7,5 Tonnen kauft, kann diesen unter Umständen auf 7,49 Tonnen ablasten, um Vorteile der kleineren Gewichtsklasse zu nutzen.

Vorteile der Ablastung

  • Führerschein Klasse 3 oder C1 ausreichend
  • Günstigere KFZ-Steuer (Versteuerung nach Gewichtsklassen)
  • „Lieferwagen-Tarif" bei Versicherungen
  • Keine LKW-Maut
  • Kein Sonntagsfahrverbot
  • Parken in Wohngebieten (sofern mind. 3 m 6 cm Restbreite verbleiben)

Nachteile der Ablastung

  • Weniger Nutzlast

Voraussetzung

Das neue zulässige Gesamtgewicht darf nicht weniger als 125 % des Leergewichts betragen. Bei einer Zulassung auf 7,49 Tonnen darf das Leergewicht also maximal 5.992 kg betragen. Eine LKW-Wiegenote erhält man z. B. bei Saatzucht- oder Raiffeisen-Organisationen.

Antrag stellen

Mit der Wiegenote zu einer Überwachungsorganisation (TÜV, DEKRA o. ä.), dann beim Fahrzeughersteller ein neues Typenschild beantragen. Mit Typenschild und Bestätigung der Überwachungsorganisation kann man zur Zulassungsstelle.

Vorsicht beim Kauf ehemaliger Feuerwehrfahrzeuge

Ehemalige Feuerwehren eignen sich oft sehr gut für den Umbau – mit meist geringen Kilometerständen. Jedoch: Da viele Käufer nach dem Kauf die Signalanlage nicht demontierten, werden Blaulicht und Signalanlage jetzt vor Übergabe ausgebaut. Das führt dazu, dass die Fahrzeuge die TÜV-Kriterien als Feuerwehr nicht mehr erfüllen und als LKW oder ggf. als historisches Fahrzeug (H-Zulassung ab 30 Jahren) eingestuft werden.

Für die Überführung: Ohne gültigen TÜV darf man mit Überführungskennzeichen nur zur nächstgelegenen Werkstatt fahren – nicht quer durch Deutschland. Ggf. ist ein KFZ-Transporter notwendig. Weiterhin sollte man über den passenden Führerschein für die Gewichtsklasse verfügen.

LKW- oder Wohnmobilzulassung bis 7,49 Tonnen?

Historisches Fahrzeug

Ist das Basisfahrzeug bereits 30 Jahre alt, ist eine H-Zulassung denkbar. Voraussetzungen: EZ mindestens 30 Jahre zurück, bestandene HU, Originalzustand der Hauptgruppen (Motor, Kraftübertragung, Fahrwerk, Karosserie, Elektrik), zeitgemäße Umbauten und ein Oldtimergutachten (ca. 80–200 €). Resultierende KFZ-Steuer: pauschal 191 € im Jahr (Stand 2020) – unabhängig vom Gewicht.

Unterschied: LKW- vs. Wohnmobilzulassung

Als LKW: Die Wohnkabine gilt als Ladung – kaum TÜV-Richtlinien für den Aufbau nötig. Leergewicht muss aber unter 5.992 kg bleiben. Als Wohnmobil: Fenster der Wohnkabine müssen aus Sicherheitsglas bestehen; Brand- und Splittergutachten für Wände erforderlich; Sicherheitsgurte für Passagiere. Versicherungen sind für Wohnmobile oft günstiger und Kaskoversicherungen leichter zu finden. Eine Abstimmung mit dem TÜV vorab ist empfehlenswert.

Anforderungen Wohnmobilzulassung

  1. Sitzgelegenheit mit Tisch
  2. Ebene Liegefläche / Schlafmöglichkeit
  3. Fest eingebaute Kochgelegenheit
  4. Unterbringung für Kleidung und Proviant
  5. Einrichtung fest verbaut

Tempolimits für Wohnmobile

  • Ortschaft: 50 km/h
  • Landstraße: 80 km/h (über 7,5 t: 60 km/h)
  • Autobahn: 100 km/h (über 7,5 t: 80 km/h)

Reisemobile bis 7,49 t sind in Deutschland von der Maut befreit. Im Ausland gelten andere Regelungen.

Hauptuntersuchungs-Fristen

  • Fahrzeuge bis 3,5 t und bis 7,5 t (Neu: 36 Monate): alle 24 Monate
  • Fahrzeuge 3,5–7,5 t ab dem 6. Jahr: alle 12 Monate
  • Fahrzeuge über 7,5 t: alle 12 Monate

Welches Tankvolumen darf ein Weltreisemobil haben?

Das gesamte Fassungsvermögen befestigter Kraftstoffbehälter (inkl. Anhänger!) sollte 1.500 Liter nicht überschreiten, damit keine Gefahrgutvorschriften greifen. Wichtig: Ab 1.000 Litern kann Kraftstoff beim Grenzübertritt zollpflichtig werden – diesen Wert nicht überschreiten. Das Tankvolumen fließt auch in die Leergewichtberechnung ein.

Was unterscheidet einen LKW vom PKW?

Beim Fahren eines Expeditions-LKW gibt es einige Besonderheiten (bezogen auf ältere Fahrzeuge):

  • Luftgefederter Fahrersitz
  • Druckluftbremsen (kleiner Umlegehebel sichtbar)
  • Hauptschalter für den Betriebsstrom
  • Spezielle Getriebe mit vielen oder Zwischengängen
  • Motorbremse im Fußraum des Fahrers
  • Schmierplan beachten (alle 3.000–5.000 km abschmieren); ältere Mercedes SK haben eine Zentralschmierung

Hinweis: Dieser Ratgeber beruht auf persönlichen Erfahrungen und Recherchen. Bei konkreten Fragen wenden Sie sich an die entsprechenden Überwachungsorganisationen (TÜV, DEKRA usw.).