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Mercedes 917 AF 1997 als Expeditionsmobil-Basisfahrzeug
Auto

Mercedes 917 AF als Basisfahrzeug für ein Expeditionsmobil – UTBOERG TV

UTBOERG TV · 6. September 2020

Der Mercedes 917 AF ist ein gutes Basisfahrzeug für ein Expeditionsmobil, weil er ein guter LKW ist. Die „Leichte Wörther Klasse" von Daimler Benz wurde von 1984 bis 1997 gebaut. Intern wurde die Baureihe auch LN2 genannt. Ab 1985 wurde für einige Modelle Allrad-Antrieb angeboten.

Leichte Wörther Klasse

Laut Pressemitteilung aus dem Jahr 1986 wurden folgende Allradversionen angeboten:

Allrad-LKW:
914 AK, 136 PS
1114 AK, 136 PS
1117 A, 170 PS
1314 AK, 136 PS

Allrad-Feuerwehren:
917 AF, 170 PS
1120 AF, 204 PS

Ab 1991 folgte der 1120 AF mit 211 PS mit der Abgasnorm Euro 1 (Euro 2 ab 1994) und der 1124 AF mit 231 und 240 PS jeweils mit Euro 1 (Euro 2 ab 1994).

Typenbezeichnung LN2

Die Typenbezeichnung der Daimler-Benz AG war damals wie folgt aufgebaut: Die letzten beiden Zahlen hinten gaben die Leistung an, also bei einem 914 AF rund 140 PS. Die Zahlen davor gaben Aufschluss über das zulässige Gesamtgewicht, ein 1314 AK war also ein 13-Tonnen-LKW. Das K steht für Kipper und das F für Feuerwehr. Das A steht für Allrad, AF für Allrad-Feuerwehrfahrzeug.

Der OM 366 LA

Legendär war dabei der verwendete Motor der OM 366 (OM = Ölmotor). Hierbei handelt es sich um einen Reihensechszylinder-Direkteinspritzer-Dieselmotor. Die Baureihe OM 300 ist legendär, alle Motorvarianten gelten als solide. Die Baureihe wurde von 1949 bis 1996 verbaut. Beim OM 366 handelt es sich um die letzte Version der Baureihe OM 300.

Den OM 366 gab es in verschiedenen Ausbaustufen:

  • OM 366 (914 AK / 1114 AK / 1314 AK): 5.958 ccm, 136 PS / 100 kW bei 2800 U/min, 402 Nm bei 1400 U/min
  • OM 366 A (917 AF / 1117 A): 5.958 ccm, 170 PS / 125 kW bei 2600 U/min, 560 Nm bei 1400 U/min
  • OM 366 LA (1120 AF): 5.958 ccm, 204 PS / 150 kW bei 2600 U/min, 640 Nm bei 1400 U/min

Der Motor wurde auch im Unimog U 1550 L / U 2100, im MB-Trac und in der Industrie verbaut.

Basisfahrzeug Mercedes 917 AF

Als Basisfahrzeug für ein Expeditionsmobil dürfte sich insbesondere der Mercedes-Benz 917 AF aus den Baujahren 1995 bis 1997 in der Gewichtsklasse bis 7,49 t anbieten. Hier wurde der OM 366 LA mit folgenden Leistungsdaten verbaut: 170 PS / 125 kW bei 2600 U/min und 575 Nm bei 1200 bis 1500 U/min.

Dieser Motor verfügt nicht nur über die Abgasnorm Euro 2, es handelt sich dabei um die ausgereifteste Version des OM 366 LA – so sollen z.B. die Schrauben am Ölkühler des Turboladers optimiert worden sein.

Leistungssteigerung OM 366 LA

Eine Leistungssteigerung am OM 366 LA mit 170 PS ist recht einfach, da er seinem 204 PS starken Bruder von den verbauten Komponenten am ähnlichsten ist. Mit wenig Aufwand bekommt man wohl an die 200 PS (wie beim 1120) hin, mit Mehraufwand auch 240 PS (wie beim 1124).

Eine Leistungssteigerung von über 240 PS sollte man für ein Mercedes LK Expeditionsfahrzeug genauestens hinterfragen.

Der neue OM 900

Im Januar 1996 wurde erstmals der neue Motor der Baureihe OM 900 beim LN2 eingeführt. Als OM 904 LA wurde er in der Leichten Klasse angeboten – ein Vierzylinder-Dieselmotor mit 122, 136 und 170 PS. Zu erkennen sind diese Fahrzeuge an der Zusatzbezeichnung „EcoPower", so z.B. den EcoPower 917 von 1996 bis 1998.

Mit der Einführung des Vierzylinder-Motors hat der Motor nun drei Ventile pro Zylinder und mehr Elektronik an Bord, um die Abgasnorm Euro 3 zu erfüllen. Dieser Motor ist bei Weltreisenden weniger beliebt.

Allrad Expeditionsmobil 917 AF

Als Basisfahrzeug von Daimler Benz ist der Mercedes 917 AF mit dem OM 366 LA für die Nutzung als Expeditionsmobil mit Allrad sehr zu empfehlen. Er gilt als sehr zuverlässig, Mercedes bietet eine sehr gute Ersatzteilversorgung und er lässt sich ablasten, so dass ein zulässiges Gesamtgewicht von 7,49 Tonnen möglich sein sollte.

Alternativ wären auch ein 814, 914, 914 AK (alle 136 PS), 817 oder 917 ohne Allradantrieb denkbar. Wer in der Lage ist, mehr als 7,5 Tonnen zu bewegen, könnte natürlich auch auf die schwereren 1120 AF oder 1224 AF ausweichen.

Aufbauten LF 16-TS

Feuerwehrfahrzeuge also die AF-Modelle haben in der Regel wenig gelaufen und sind gemessen an ihrem Alter in relativ passablem Zustand. Häufig wurden diese Feuerwehren als LF 16-TS mit Doppelkabine ausgeliefert.

Im Bereich der Fahrerkabine gibt es drei Optionen: Einzelkabine (häufig mit drei Sitzplätzen), die Fernfahrerkabine (man kann hinter der ersten Reihe schlafen) und die Doppelkabine – die bei Feuerwehren oft verbaut wurde. Die Doppelkabinen des LN 2 lassen sich relativ einfach kürzen.

Aufbauten gibt es beim LN 2 in allen üblichen LKW-Varianten: Pritsche, Koffer, Plane, Feuerwehraufbau, Büro-Koffer, Kipper u.a.

Radstände

Im Bereich der Allrad-Fahrzeuge (Stand 1986) gab es folgende Radstände: 3.090 mm und 3.640 mm.

Fahrkomfort

Auch der Fahrkomfort kommt im Mercedes 917 AF nicht zu kurz. Eine gute Lärmdämmung und Ergonomie überzeugen den Fahrer. Der Schalthebel ist direkt neben dem Fahrer positioniert und somit kann man ganz entspannt schalten. Die Übersicht ist für einen LKW gut und auch die Instrumente lassen sich gut ablesen. Weiteres Komfortmerkmal (sofern verbaut) ist eine Motorbremse. Die Fahrerkabine bietet auch für drei Personen guten Platz.

Geländefähigkeit

Der Mercedes LK verfügt in den Allrad-Versionen nicht nur über vier angetriebene Räder, sondern er wurde auch für die besonderen Anforderungen von Feuerwehren im Gelände konzipiert. Somit verfügen viele 917 AF über ein Heck- und Mitteldifferential. In seltenen Fällen sogar auch noch über ein Vorderachsdifferential. Ein Untersetzungsgetriebe und eine hohe Bodenfreiheit sorgen ebenfalls für eine hohe Geländefähigkeit.

Schwachstellen

Große Schwachstellen leistet sich der 917 AF nicht. Bei den Allrad-LKW kann es vorkommen, dass die Achsschenkellagern kaputt gehen. Man kann bei Mercedes hierfür noch Reparatursätze bestellen, die Preise liegen je Seite bei rund 600,- EUR netto zzgl. Mehrwertsteuer.

Liegt eine solche Schwachstelle vor, werden nicht mehr alle Bereiche der Achse richtig geschmiert. Bei einer Besichtigung eines Fahrzeuges sollte man sich die Achskugeln vorn ansehen, ob ggf. Kratzer aufgrund zu geringer Schmierung vorliegen.

Mercedes 917 AF Heckansicht Basisfahrzeug 1997
Mercedes 917 AF Innenausstattung Weltreisefahrzeug
Mercedes 917 AF Doppelkabine als Basisfahrzeug
Mercedes 917 AF Beifahrersitz Expeditionsmobil
OM 366 LA Dieselmotor im Mercedes 917 AF
Zwillingsbereifung am Mercedes 917 AF
Mercedes 917 AF begehbares Dach Doppelkabine
Mercedes 917 AF ehemaliger Feuerwehraufbau Lentner
Mercedes 917 AF Differentialsperren
Eingeschaltete Differentialsperren am MB 917 AF