Im Test der Mercedes Sprinter 317 CDI als Kastenwagen. Mit einem zulässigen Gesamtgewicht von rund 3,5 t und einer Länge von fast 6 Metern (5,93 m) kann man schon allerhand bewegen.
Beim Slogan „Freude am Fahren" denkt der werte Leser sicherlich erst mal an eine andere Automarke und erst recht nicht an einen Lieferwagen. Aber der Sprinter bereitet dem Fahrer Freude, weil er sich trotz seiner Abmessungen wirklich gut händeln lässt.
Der Kleintransporter Sprinter wird seit 1995 gebaut und trat damals die Nachfolge für den Mercedes T1 an. Unterdessen wird schon die dritte Generation des Sprinters produziert. Unterschiedliche Radstände, Dachhöhen und ein Laderaumvolumen von bis zu 17 m³ machen den Kastenwagen für die unterschiedlichsten Anwendungen interessant.
Ab rund 28.400,- EUR Listenpreis ist eine Basisversion verfügbar. Unser Testwagen dürfte jedoch bei rund 55.000,- EUR liegen. Wer dann noch den starken 190 PS Motor, Allradantrieb und Automatikgetriebe haben möchte, liegt schnell bei 70.000,- EUR – jeweils immer ohne Sonderausstattung.
Innenraum
Auch beim Sprinter hat das MBUX Bedienkonzept Einzug gehalten. Am Lenkrad lassen sich über zwei kleine Touchpads sowohl das Tachomenü (linker Touchpad) als auch die Infotainment-Einheit (rechter Touchpad) gut bedienen. Es bedarf lediglich einer kurzen Eingewöhnungsphase, um das System zu verstehen und bedienen zu können.
Besonders die Sprachbedienung ist für die Navigationseingabe hilfreich, sofern man sich an das Regelwerk der einprogrammierten Befehle hält. Die Funktion startet man über „Hallo" oder „Hey Mercedes". Allzu viel Intelligenz sollte man hierbei nicht erwarten; wer von den Standard-Befehlen abweicht, stößt bei dem Sprachsystem schnell auf Unverständnis.
Alternativ kann man in das MBUX auch per Handschriftenerkennung (Eingabe von einzelnen Buchstaben) Ziele eingeben. Wer in der Lage ist die Spracherkennung zu nutzen, wird jedoch deutlich schneller und komfortabler ans Ziel kommen.
Sitze
Die erste Reihe lässt sich gemäß Aufpreisliste konfigurieren. In unserem Testfahrzeug hatten wir jeweils den Fahrersitz als Einzelsitz und den zweiten und dritten Sitzplatz als Sitzbank verbaut. Weiterhin kann man sich die Einzelsitze auch beheizen lassen (Aufpreis 246,33 EUR je Seite). Für einen Aufpreis in Höhe von 1.328,04 EUR kann man den Einzelsitz auch elektrisch und mit Memory bestellen. Weiterhin kann man einen Schwingsitz in der Komfortausführung für 636,65 EUR wählen. Der Schwingsitz bügelt die Fahrbahnunebenheiten noch besser weg als der normale Fahrersitz.
Lediglich auf der Doppelbank kommt nicht viel Freude auf, insbesondere wegen der relativ steilen Stellung der Rücklehne.
Sicht
Das Scheibenwischsystem WET WIPER SYSTEM sprüht direkt an den Scheibenwischerarmen Reinigungswasser auf die Frontscheibe und das ist gemessen an der großen Frontscheibe eine sinnvolle Angelegenheit.
Auch der aufpreispflichtige Regensensor ist eine sinnvolle Ergänzung. Für die Sicht nach hinten empfiehlt sich die optionale Rückfahrkamera für 453,39 EUR, die auch per Knopfdruck aktiviert werden kann. Alternativ steht das Park-Paket mit 360-Grad-Kamera und Park-Assistent (1.743,35 EUR) zur Verfügung.
Winter
Bei unserem Test mussten wir schnell feststellen, dass der Sprinter die ersten 20 Minuten im Innenraum nach dem Start doch recht kalt bleibt. Käufer sollten somit über eine Zusatzheizung und/oder Sitzheizung nachdenken. Wer regelmäßig bei tiefen Temperaturen unterwegs ist, für den empfiehlt sich ggf. auch die beheizbare Frontscheibe (Aufpreis 417,69 EUR), da das Freikratzen der Frontscheibe im Mittelbereich nicht ganz einfach ist.
Klimaanlage
Mit der Steuerung der Heizung bzw. Klimaanlage haben wir uns etwas schwer getan, sodass wir die Klimatisierungsautomatik THERMOTRONIC vorschlagen würden – diese schlägt mit 2.967,86 EUR zu Buche. Ansonsten erfordert die Regulierung der Heizung etwas Anstrengung.
Motor
Unsere beiden Test-Sprinter sind jeweils 317 CDI, sprich hier wird der OM 654 DE 20 LA mit 125 kW (170 PS) verbaut. Mit dem 6-Gang-Schaltgetriebe leistet der Lieferwagen somit 380 Nm und in Verbindung mit dem 9-Gang-Automatikgetriebe 400 Nm.
Das Automatikgetriebe (9G-Tronic) liefert gegen Aufpreis (ca. 2.800,- EUR) einen erheblichen Mehrwert in Sachen Fahrkomfort. Im Stadtbetrieb liegt der Kastenwagen im Verbrauch auch mal schnell bei 12 Litern in der Verbrauchsanzeige. Lässt man den Wagen konstant dahingleiten auf der Autobahn oder Landstraße nähert man sich recht schnell einer 8 in der Anzeigentafel.
Fazit
Der Mercedes Sprinter 317 CDI als Lieferwagen ist ein tolles Basisfahrzeug, wer jedoch maximalen Komfort wünscht, darf dafür auch tief in die Tasche greifen. Wenn der Wagen vollständig ausgestattet ist, ist das Fahren fast so angenehm wie in einem PKW. Wir sind insbesondere den Testwagen mit Automatikgetriebe gern gefahren.





