Einen Gebrauchtwagen von einem privaten Anbieter zu kaufen schürt die Hoffnung, ein gepflegtes Auto zu einem guten Preis zu bekommen. In unserem Ratgeber möchten wir darüber aufklären, wie man als Autokäufer belogen wird.
Ratgeber Autokauf
Dank einer vernetzten Welt sind wir in der Lage nach einem Gebrauchtwagen, Youngtimer oder auch Oldtimer in ganz Europa oder auch weltweit zu suchen. Ob dabei der Weg und die Transportkosten im Verhältnis stehen, ist je nach Fahrzeugangebot sehr unterschiedlich. Eines ist aber immer ärgerlich, wenn sich nach der Anreise herausstellt, dass der Verkäufer gelogen hat.
Erfahrungsbericht 1: R171
In einem der führenden Internetportale fanden wir einen Mercedes SLK 200 mit AMG Paket der Baureihe R171. Preislich attraktiv und mit rund 60.000 KM ein gut klingendes Angebot. Der Wagen sollte ein Nichtraucher-Wagen sein und über ein vollständig ausgefülltes Scheckheft verfügen. Auf dem Foto waren vorn links Kratzer zu erkennen, mehr aber auch nicht.
Gleich am nächsten Tag setzten wir uns in die Bahn und nach drei Stunden standen wir unserem potenziellen Traumwagen gegenüber. Die Enttäuschung war jedoch recht groß. Nach einem Käuferwechsel war die Inspektion überzogen und dann nicht mehr bei Mercedes, sondern bei Opel fortgesetzt. Der Wagen stank nach Rauch und auch der Schaden vorn war mehr als ein Kratzer. Auch der Schweller war angebrochen, so dass allein der Austausch von AMG Schweller und AMG Stoßstange mehrere Tausend EURO gekostet hätte.
Erfahrungsbericht 2: W220
Es hörte sich so gut an: „Mercedes-Benz S Klasse (W220) S430 V8, 279 PS, TÜV Neu, top Zustand, Preis: 4.999 … Nichtraucher-Fahrzeug … Luftfahrwerk erneuert … 121.961 KM …" Gekrönt war die Anzeige mit einem Foto vor einem Schloss, wo der Wagen top poliert stand.
Nach rund vier Stunden Fahrt erreichten wir Berlin, wo der Wagen angeboten wurde. Die Besichtigung dauerte rund 20 Minuten, hierbei stellte sich folgendes heraus:
- Außen völlig verdreckt
- Innen völlig verdreckt
- Verschiedene Dellen und Kratzer rund herum
- Lediglich die vorderen Dämpfer erneuert
- TÜV noch nicht gemacht
- Rost am Radlauf hinten links
- Raucher-Fahrzeug
- Alle Reifen ziemlich runter
- Vier Vorbesitzer
Wir waren mehr als bedient und stellten den Verkäufer zur Rede. Als Stellungnahme erhielten wir ein Schulterzucken sowie: „Ich rauche nicht" und „für mich ist der Wagen in TOP Zustand."
Bilanz des Tages: rund 170,- EURO Kosten, mehrere Stunden Fahrt und die Erkenntnis – traue keinem Autoverkäufer.
Beziehung zwischen Verkäufer und Käufer
Am besten kennzeichnet man die Beziehung zwischen Verkäufer und Käufer mit folgender Aussage: Da war der Wunsch Vater des Gedankens. Welche Zielsetzung ein Verkäufer hat liegt auf der Hand – sein Fahrzeug zum höchstmöglichen Preis zu verkaufen. Der Käufer wünscht sich ein Schnäppchen und möchte natürlich nur das Beste hören.
Vorsicht! Nicht jede Antwort beinhaltet eine Aussage!
Weil nicht jede Antwort automatisch eine echte Aussage beinhaltet, sollte man lernen, die Sprache der Verkäufer zu verstehen.
Beispiel 1:
Frage: „Inspektionen wurden immer gemacht?"
Antwort: „Scheckheft ist vorhanden."
Tenor: Ein Scheckheft ist vorhanden ja. Ob es regelmäßig oder überhaupt geführt wurde, ist nicht beantwortet.
Beispiel 2:
Frage: „Wie ist der Allgemeinzustand?"
Antwort: „Er ist in gutem Zustand, aber der Wagen ist nicht neu und hat somit die üblichen Gebrauchsspuren."
Tenor: „Gebrauchsspuren" lässt Raum für so ziemlich alles – Kratzer, Dellen, Parkrempler etc.
Beispiel 3:
Frage: „Der Wagen ist unfallfrei, Nichtraucher?"
Antwort: „Ich fahre seit 35 Jahren unfallfrei."
Tenor: Ob der oder die Vorbesitzer in dem Wagen geraucht haben ist nicht geklärt, ebenso wenig ob der Wagen in der Vergangenheit einen Unfall hatte.
Was kann man gegen die Lügen der Anbieter tun?
Vielen Menschen ist es unangenehm auf eine Antwort, die Frage erneut zu stellen, insbesondere wenn der Verkäufer einen glauben lassen möchte, dass die Frage bereits beantwortet sei. Deshalb empfehlen wir folgendes:
Weisen Sie den Verkäufer daraufhin, dass Sie eine längere Anfahrt haben, die mit Kosten verbunden ist und dass Sie eine konkrete Vorstellung vom Zustand Ihres zukünftigen Wagens haben. Stellen Sie kurze klare Fragen und fragen Sie ggf. nach:
Beispiel Scheckheft:
- Das Scheckheft zu dem Wagen ist vorhanden?
- Wurden alle Arbeiten regelmäßig ohne Aussetzer/Fehlzeiten vorgenommen?
- Alle Einträge wurden von der Markenwerkstatt vorgenommen?
- Wann und bei welchem KM-Stand wurde die letzte Inspektion durchgeführt?
Beispiel Zustand:
- Hatte der Wagen bei Ihnen oder bei den Vorbesitzern einen Unfall?
- Wurde in dem Wagen in Ihrer Zeit und auch bei den Vorbesitzern geraucht?
- Hat der Wagen Kratzer oder Dellen? Wenn ja: Was für Kratzer/Dellen sind das und wie viele sind es? Gibt es einen Kostenvoranschlag für die Reparatur?
Beispiel Historie:
- Wie viele Halter hat der Wagen insgesamt?
- War der Wagen in der Vergangenheit im Ausland angemeldet?
- Wurde der Wagen in der Personenbeförderung eingesetzt?
- Handelt es sich um einen ehemaligen Mietwagen?
Haben Käufer den Eindruck der Verkäufer weicht ihnen aus oder scheint etwas zu verheimlichen, sollte man insbesondere bei preislich attraktiven Angeboten lieber die Finger von der Sache lassen.
Kann man Schadenersatz verlangen?
Dies ist keine Rechtsberatung! Nach unserer laienhaften unverbindlichen Einschätzung benötigt man, um Schadenersatz zu verlangen, einen Vertrag. Nun könnte man natürlich das Auto aus der Ferne kaufen und bei etwaigen Unstimmigkeiten Schadenersatz verlangen, aber wer hat dazu schon Lust?
In der Praxis werden sich die meisten jedoch darauf konzentrieren, ein Auto kaufen zu wollen und nicht einen Rechtsstreit zu suchen.
Fazit
Käufer sollten mutig sein und viele klare Fragen stellen, bevor sie einen weiter entfernten Besichtigungstermin anstreben.