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Mietwagen – Was muss man beachten? Ratgeber – UTBOERG TV

UTBOERG TV · 6. September 2019

Mit der Frage „Mietwagen, was muss man beachten?" beschäftigen wir uns in unserem Ratgeber. Die Anmietung eines Leihwagens ist eine praktische Angelegenheit, deren Anmietprozess jedoch Gefahren für den Mieter beinhalten kann.

Hintergründe von Mietwagenunternehmen

Der erste Schritt für Autovermieter ist die Warenkosten niedrig zu halten. Dafür kaufen Autovermieter eine möglichst große Anzahl von Fahrzeugen bei den Autoherstellern ein. So werden sie zu Großabnehmern und sollen bis zu 40% Rabatt auf die Fahrzeuge bekommen.

Die meisten Mietwagen verlassen die Vermietung entweder nach 6 Monaten oder einem bestimmten KM-Stand, je nachdem was zuerst erreicht wird. Der KM-Stand liegt dabei in der Regel zwischen 23.000 und 29.000 KM.

Neben dem Mietpreis generieren Mietwagenunternehmen Einnahmen durch:

  • Mehrkosten für Zusatzkilometer
  • Mehrkosten durch Tarifumstellung (z.B. von Wochenende zu 4 Tagesmiete)
  • Verwaltungsgebühren für Schäden oder Bußgelder
  • Versicherungspakete zur Reduzierung der Selbstbeteiligung
  • Selbstbeteiligung bei etwaigen Schäden
  • Einsparung der Fahrzeugreinigung
  • Zweitfahrer-Eintragung
  • Diesel-Option
  • Weitere Warnwesten
  • Navigations-Option
  • Kindersitz oder Babyschalen
  • Unbegrenzte Kilometer-Pauschale
  • Wintertaugliche Bereifung
  • Liefer- oder Abholservice
  • Rückgabe an einem anderen Ort – Zuschlag (Vorsicht: liegt zwischen Anmiet- und Rückgabestation eine oder mehrere Ländergrenzen können schnell einige hundert Euro Zusatzkosten anfallen)
  • Inselzuschläge
  • Betankungskosten

Mietpreis nicht entscheidend

Mal wieder ein echtes Mietwagen-Schnäppchen gemacht? Aber Vorsicht – entscheidend ist nicht der Mietpreis, sondern der Bedarf und die Absicherung, die man bei seinem Leihwagenangebot hat. Was nützt einem ein super Preis, wenn man am Ende ein Vielfaches für etwaige Beschädigungen zahlt?

Vertrauen unangebracht

Einem Autovermieter zu vertrauen, kann einem Mieter viel Geld kosten! „Es sind keine Vorschäden bekannt" hört sich immer gut an – in der Realität hat sich jedoch gezeigt, dass es fast immer Vorschäden gibt. Bei Selbstbeteiligungen von teils über EUR 1.000,- reicht Hoffen häufig nicht aus.

Schritt für Schritt Auto mieten

Schritt 1: Bedarf prüfen

Bevor man eine Mietwagenbuchung tätigt, sollte man sich über den Bedarf und die Absicherung Gedanken machen.

  • Was für ein Auto (Sitzplätze, Stauraum) brauche ich?
  • Zeitraum fest oder wird ggf. verlängert? (Mehrfachtage können Mehrkosten oder einen anderen Tarif begründen.)
  • Wie viele Kilometer werden benötigt? (Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt einen Tarif mit unbegrenzten KM.)
  • Benötigt man einen Zusatzfahrer oder fährt man allein? Zusatzfahrer werden bei einigen Autovermietern pro Tag abgerechnet.
  • Höhe der Selbstbeteiligung bei Schäden? Als ADAC-Mitglied kann man im Ausland wohl auch ohne Selbstbeteiligung buchen.
  • Absicherung der Selbstbeteiligung: Ist die Selbstbeteiligung über eine Kreditkarte abgesichert, steckt auch dahinter eine Versicherung – aber oft mit Einschränkungen (Anzahl der Mietfahrzeuge, Mietdauer, Fahrzeugarten). Sportwagen werden häufig gar nicht erst versichert.
  • In den südlichen Ländern sind Leihwagen bei örtlichen Autovermietern häufig günstiger als bei großen Ketten.
  • Weicht die Abholstation vom Rückgabeort ab, sollte geklärt sein welche Zusatzkosten anfallen.

Schritt 2: Die Anmietung

Auch wenn der Flug oder die Anreise stressig war, die Anmietung des Mietwagens erfordert vom Mieter die volle Aufmerksamkeit. Prüfen Sie insbesondere:

  • Mietpreis
  • Inklusiv-Kilometer
  • Ort der Rückgabe
  • Versicherung
  • Ggf. Zusatzfahrer eingetragen
  • Mietzeitraum

Schritt 3: Die Zahlung

Gängig und üblich ist die Zahlung über eine Kreditkarte. Sogenannte Prepaid-Kreditkarten werden es bei der Akzeptanz schwerer haben. Neben dem Mietpreis wird eine Kaution geblockt, auf die im Schadensfall oder bei Mehrkosten zugegriffen werden kann.

Für einige Fahrzeugklassen wie z.B. XDAR (BMW 7er, Mercedes S-Klasse oder Audi A8) verlangen einige Vermieter auch zwei Kreditkarten von unterschiedlichen Gesellschaften (z.B. VISA und AMEX – nicht VISA und Mastercard).

Schritt 4: Fahrzeugübergabe

Empfehlungen bei der Fahrzeugübergabe:

  • Abgleich des KM-Standes mit dem Mietvertrag
  • Prüfen ob der Wagen vollgetankt ist. Wenn nicht: sofort reklamieren oder direkt zur Tankstelle fahren und den Tankbeleg aufbewahren.
  • Das Mietfahrzeug vollständig ansehen: Felgen, Karosserie inklusive Dach, Scheiben, Stoßfänger. Gefundene Schäden schriftlich bestätigen lassen.

Tipp: Auf eine mündliche Zusage „Das ist bekannt" würden wir uns nicht verlassen. Immer alles schriftlich dokumentieren. Machen Sie Fotos vom Fahrzeug. Sollte die Übergabe in einer Tiefgarage erfolgen, prüfen Sie den Mietwagen danach auch bei Tageslicht.

Für die Anmietung eines Fahrzeugs sollte man ausreichend Zeit einplanen (ca. 30 bis 60 Min).

Schritt 5: In der Mietzeit

Panne: Sollte während der Mietzeit ein Defekt auftreten, hat jedes Mietwagenunternehmen eine Hotline. Die jeweilige Telefonnummer befindet sich entweder auf einem Aufkleber im Innenraum, im Mietvertrag oder in den Fahrzeugunterlagen. Sollten Sie auf der Autobahn liegen bleiben: nicht im Auto sitzen bleiben. Fahrzeug mit Warndreieck absichern und dann hinter der Leitplanke warten.

Unfall: Unfallstelle absichern, Erste Hilfe leisten, immer die Polizei einschalten und die Autovermietung über die Hotline informieren.

Kratzer oder Dellen: Das Fahrzeug gehört dem Vermieter – Reparaturen (Smartrepair, Lackierarbeiten) sind in der Regel laut Mietvertrag nicht erlaubt. Vor Rückgabe in jedem Fall Bildmaterial erstellen, auch von weiteren Schäden am betroffenen Bauteil.

Schritt 6: Rückgabe

Der Leihwagen muss vollgetankt zurückgegeben werden. Die Tankquittung aufheben und ein Foto von der Tankuhr und dem KM-Stand bei Rückgabe machen. Als Mieter steht man in der Verantwortung bis der Wagen von der Station entgegengenommen wird.

Tipp: Mietfahrzeug möglichst während der Öffnungszeiten zurückgeben und das Vermietpersonal direkt um einen Blick bitten.

Schritt 7: Schadensabwicklung

Sollte während der Mietzeit ein Schaden aufgetreten sein, sollte man diesen vor Rückgabe mit Fotos dokumentieren. In Verbindung mit einem Schaden können folgende Kosten auftreten:

  • Reparaturkosten
  • Mietausfall
  • Wertminderung des Wagens
  • Verwaltungspauschale

So kann sich ein kleiner Schaden der per Smartrepair vielleicht nur 150,- EUR kostet, schnell auf 400,- EUR beziffern. Wenn man jedoch die Kosten selbst tragen muss, sollte man das Reparaturangebot hinterfragen:

  • Zweitangebot: Mit den Fotos, die man vor Rückgabe erstellt hat, könnte man ein eigenes Angebot erstellen lassen, welches vermutlich deutlich günstiger sein wird.
  • Weitere Schäden am selben Bauteil: Bestanden zwei weitere Schäden am Stoßfänger, könnte man argumentieren: „Somit sind von mir lediglich 1/3 der Kosten zu tragen."

Tipp: Die Autovermietung wird mit der Zahlungsaufforderung eine Frist setzen. Es ist sinnvoll diese einzuhalten, damit nicht weitere Kosten für Mahnung oder Rechtsbeistand entstehen.

Fazit

Mietwagenunternehmen wollen Geld verdienen. Damit man als Mieter dennoch Freude an seinem Leihwagen hat, sollte man die vorgenannten Schritte und Hinweise beachten.